Beringte Gänse


Seit über 100 Jahren werden Vögel zu wissenschaftlichen Zwecken beringt. Viel haben wir dabei über den Vogelzug und den Lebenszyklus verschiedenen Vogelarten gelernt. Während man früher darauf warten musste bis ein beringter Vogel tot gefunden wurde, können wir heute durch den Einsatz von Farbringen, die auch gut aus der Entfernung ablesbar sind, den Lebenslauf und die Wanderungen der lebenden Vögel verfolgen. So gewinnt man detaillierte Informationen über die Populationsstrukturen der verschiedenen Arten (z.B. Sterberate, Bruterfolg, Informationen über Verpaarungen und Verwandschaftsverhältnisse).

Seit 1997 setzen wir deutschlandweit Beringungen zur Erforschung von eingebürgerten Gänsearten ein. Dabei wurden mittlerweile über 2000 Gänse zwischen Kiel und Bodensee mit unseren Farbringen markiert. Seit 2001 liegt ein räumlicher Schwerpunkt unserer Untersuchung in Oberbayern (besonders im Großraum München), wo seit einigen Jahrzehnten mehrere Gänsearten leben. Am häufigsten sind dabei die Graugans und die Kanadagans. Aber auch Streifen- und Nonnengänse leben im Raum München und bekommen jedes Jahr Nachwuchs. Über die Lebensgewohnheiten dieser eingebürgerten Gänsearten weiß man derzeit erstaunlich wenig. Viele Ornithologen ignorieren nach wie vor diese Art und sprechen oft pauschal von Gefangenschaftsflüchtlingen. Aus Haltungen entkommene Tiere dürften heute allerdings nur einen sehr geringen Anteil im deutschen Bestand ausmachen. Die ältesten heute noch existierenden Gruppen in Deutschland findet man in Hamburg und München. Sie gehen auf Aussetzungen in den 50er-Jahren zurück. Unsere Untersuchungen sollen dazu beitragen einige Wissenslücken zu schließen, vor allem in Hinblick auf das frühzeitige Erkennen von Konfliktfeldern, die durch die räumliche Nähe von Menschen und Gänsen entstehen können. Finanziell gefördert werden unsere Untersuchungen in Bayern durch den Freistaat Bayern (Vogelschutzwarte Garmisch-Partenkirchen) und der Stadt München. Man kann den Bestand der deutschen Brutpopulationen, also ohne skandinavische Kanadagänse, auf ca. 4000 - 6000 Tiere schätzen. Insgesamt ist allerdings immer noch vergleichsweise wenig zur detaillierten Verbreitung der Kanadagans in Deutschland bekannt

Neben Kanadagänsen und Kanadaganshybriden wurden auch andere Neoanatiden im Rahmen dieses Beringungsprogramms markiert. Im Gegensatz zu vielen einheimischen Arten ist bei den meisten (auch etablierten) Neozoen (z.B. Nilgans) kaum etwas über ihr Wanderverhalten in Mitteleuropa bekannt.

Bei unseren Untersuchungen sind wir auf die Mithilfe von interessierten Bürgern (Gänse-, Naturfreunde) angewiesen. Wer eine oder mehrere beringte Gänse sieht, wird gebeten diese an die unten stehende Adresse zu melden. Die Farbringe der Kanada-, Streifen- und Nilgänse sind gelb, die der Graugänse blau. Sie tragen jeweils ein dreistelligen Buchstaben-Ziffern-Code der zur eindeutigen Identifizierung der Gans ausreichend ist. Daneben trägt jede Gans noch einer Ring der Vogelwarte. Bitte melden sie die abgelesenen Ringnummern, Ort, Datum und Gruppengröße. Sie erhalten dafür Informationen über die beobachteten Gänse (Beringungsdaten, Lebenslauf). Im voraus vielen Dank

Hier finden Sie Informationen über die bisher beringten Arten

Ringmeldungen bitte an:
ring@kanadagans.de
Dr. Susanne Homma & Olaf Geiter
Landweg 27
18196 Kavelstorf

Letzte Änderung dieser Seite: 06.04.06